** wie es soweit kommen konnte
geboren wurde ich 1970 – in erkelenz.
aufgewachsen bin ich in wassenberg in einer chemischen reinigung. die hatten meine eltern. mein vater ist grieche und die hatten damals entweder restaurants oder chemische reinigungen. wir waren die mit der reinigung. meine ärztin sagt heute, dass es kein wunder sei, dass ich migräne habe. nicht wegen des vaters, sondern wegen der reinigung. wir haben oben gewohnt, unten war das geschäft. um ostern rum habe ich mich nachts nie aus meinem zimmer rausgetraut, wenn ich mal musste. weil ich immer dachte, unten am treppenabsatz steht bestimmt dieser riesengroße osterhase (auf diesen zwei sehr muskulösen osterhasenbeinen) mit diesem ebenso riesenkorb (für die eier) auf dem rücken. das war natürlich quatsch. aber genau weiß ich es nicht – ich hab mich ja nie getraut, nachzugucken...
nach dem abitur überzeugte meine mutter mich, dass ich „doch sprachlich so begabt“ sei. und deswegen fremdsprachenkorrespondentin werden müsse. dabei wollte ich eigentlich auslandskorrespondentin werden und in kürze im westjordanland stehen und mich bei meinem sender mit den worten abmoderieren: „aliki tsiantoulas – gazastreifen“. das wollte ich, weil damals die moderatoren des auslandsjournal – gerd helbig und rudolf radke – meine absoluten helden waren. so wollte ich auch werden und natürlich auf jeden fall am gazastreifen rumstehen.
stattdessen wurde ich also fremdsprachenkorrespondentin. weil man 1990 noch nicht an jeder ecke journalismus studieren konnte und ich nicht wusste, wie ich alleine zum gazastreifen kommen sollte. und so war ich zumindest schon mal – korrespondentin.
anschließend habe ich dann kurz verträge bei der ruhrkohle übersetzt, den unterschied zwischen eierkohle und anderen kohle-pressungen kennengelernt, bin eingefahren und habe gummibärchen-geschmack-schnupftabak unter tage ausprobieren müssen. „den hat helmut kohl hier unten auch genommen“ – na dann.
und immer noch gerd helbig und rudolf radke bewundert. der gazastreifen war auch immer noch interessant, aber es hätte für den anfang auch etwas ungefährlicheres getan.
bei lufthansa und ltu bin ich als flugbegleiterin unterwegs gewesen. habe sitzplätze angewiesen, die schwimmwesten vorgeführt. oder gefragt: möchten sie fisch oder fleisch?“ und „noch ein kaltgetränk dazu?“. hab die passagiere gern betüddelt und ihnen händchen gehalten, und auch mit kollegen bei 40 grad und sonnenbrille an den hotelbars gehockt, havanna angeguckt, in los angeles bei BANANA REPUBLIC den laden leergekauft, und mir „salmonella ohio“ vom hühnchengericht eines restaurants in der dominikanischen republik eingefangen. eine tolle zeit.
aber gerd helbig und rudolf radke. die waren immer noch da.
es musste was passieren. gazastreifen hin oder her.
in der firma von hans meiser hab ich mein volontariat gemacht. 10 außenstationen - zwar nicht gaza - dafür u.a. die hamburger journalisten-akademie, radio ffn (ich erinnere mich an sehr viele verregnete tage mit mikro in der fußgängerzone stehend...), BILD düsseldorf, ein fall für escher in dresden und RTL.
danach musste ich verreisen. vier monate einmal rum um die welt. ich musste, weil auch in meinen horoskopen immer steht, dass ich – als schütze - nur mit gepacktem koffer im flur existieren könnte. obwohl meine mutter mich mit 29 jahren viel zu alt für so etwas fand. wenn wir vermögend wären, hätte sie garantiert mit enterbung gedroht. so hat sie mich nur angewiesen, mich „wenigstens ab und zu“ zu melden.
erschreckenderweise kann ich mich noch so ziemlich an alle gerichte, die ich gegessen habe erinnern. aber ich hab unterwegs auch 12 kilo zugenommen – lakhsa-suppe war übrigens mein absoluter favorit. und die fotos der reise sind richtig schön geworden, nur kann ich sie theoretisch niemandem zeigen, weil ich komplett aus meinen klamotten platze. oder zumindest so aussehe, als wärs ganz knapp davor. dann muss ich auch immer erklären: „hier war ich auf den cook inseln in der südsee. ja – ähm – da hatte ich ein bisschen zugenommen. und das foto hier... ach nee, ich blätter mal weiter, das ist gar nicht so gut geworden.....“ wer trotzdem gucken will: unter **weltreise in schnell gibt’s fotos, reiseberichte und tagebuch-eintragungen. das rezept von der lakhsa übrigens auch!
nach der rückkehr gab es drei neuerungen: eine diät. einen job als freie bei der BILD-zeitung und einen beim radio. für antenne düsseldorf und den landesweiten muttersender radio NRW hab ich beiträge gemacht und ab und an auch nachrichten gesprochen. als reporterin war ich in der landeshauptstadt und drumherum unterwegs zu banküberfällen, umfallenden kränen und beim damaligen ministerpräsidenten clement. habe märchenerzählerinnen mit ohr und mikro gelauscht, barbiepuppen-reparaturen (wahnsinnig kompetent, natürlich) begleitet und heino damit konfrontiert, dass ich mir wegen ihm blaue schuhe gekauft habe. wer möchte: siehe **radio-reportagen
seit 2003 und nach über zwei jahren radio bin ich wieder zurück zum fernsehen – seitdem arbeite ich als redakteurin für eine erfolgreiche musikshow, die von günther jauch’s firma in köln produziert wird.